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ANTÔNIO INÁCIO ANDRIOLI
Professor do Mestrado em Educação
nas Ciências da UNIJUÍ - RS e da Universidade Johannes Kepler de
Linz (Áustria). Doutor em Ciências Econômicas e Sociais pela
Universidade de Osnabrück (Alemanha)

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Darwin, die Gentechnik und die
Immunschwäche
Antônio Inácio Andrioli
„Im Laufe der
Evolution –
richtigerweise verstanden nicht als ein streng determinierter
oder teleologischer Prozess, sondern als ein Prozess, der allen
Punkten enorme Zufälligkeiten beinhaltet
–
wurden die Arten, inklusive menschlicher Lebewesen, über ein
Prozess der natürlichen Selektion angeborener Variationen ihrer
Umwelt im Lauf von Millionen Jahren angepasst. Entsprechend
dieser Perspektive sollten wir grundlegende ökologische
Veränderungen nur mit Bedacht durchführen, weil wir erkennen,
dass die Anwendung neuer Produkte ein Spiel mit dem Feuer ist,
weil es nicht Ergebnis einer langen Evolution wäre.“
(John Bellamy Foster)
Vor
200 Jahren ist Charles Robert Darwin, einer der berühmtesten
Wissenschaftler der Welt geboren. Vor 150 Jahren ist sein Hauptwerk
über die Entstehung der Lebensarten herausgeben worden, was seitdem
die Betrachtung der Natur entscheidend verändert hat. In
On the Origin of Species
widerlegt Darwin die
bis dahin herrschende Theorie der Naturtheologie und rief damit die
Evolutionstheorie ins Leben. Im Gegensatz zu der auf Gott
basierenden Erklärung für die Entstehung des Lebens, weist die
Evolutionstheorie auf die
Veränderlichkeit der Arten hin.
Die Theorie basiert
auf der Anpassung von
Lebewesen an den Lebensraum durch
Variation und
natürliche Selektion. Darwin
sah in der
natürlichen Selektion den
wichtigsten Mechanismus der Evolution und erklärte dadurch die
Entwicklung aller Organismen und ihre Ausdifferenzierung in
verschiedene
Arten. Nach dieser Auffassung
würden vom Überschuss an Individuen, die sich voneinander
unterscheiden, diejenigen überleben, die an ihre Umweltbedingungen
am besten angepasst sind. Erst viel später, also in den 1930er
Jahren, wurde die von Darwin entwickelte Theorie der natürlichen
Selektion mit den von Mendel
entworfenen Regeln zur Vererbung
verbunden, woraus die
Synthetische Theorie der Evolution
entstand. Die enorme Kraft dieser Theorie ist zu einem zentralen
organisierenden Prinzip der modernen Biologie geworden und liefert
damit die aktuellste Erklärung für die Vielfalt des Lebens auf der
Erde liefert. Was hat das mit der Gentechnik zu tun?
Die
Gentechnik ist aus der Entwicklung verschiedener Erkenntisse in den
Naturwissenschaften entstanden. Entscheidend für die Entstehung der
Gentechnik ist nach den Theorien von Darwin und Mendel die
Entdeckung der DNS
(Desoxyribonukleinsäure – Träger der Erbinformation) der Lebewesen
und der Feststellung, dass darin Gene in einer bestimmten
Reihenfolge existieren, die für bestimmte Eigenschaften zuständig
sind und vererbt werden. Bis dahin besteht ein Konsens darüber, dass
die Wissensentwicklung einen großen Fortschritt darstellt und für
die Pflanzen- und Tierzüchtung grosse Hoffnungen wecken kann. Danach
hat sich herausgestellt, dass die DNS eine rekombinierende
Eigenschaft hat und, dass mit Hilfe von Enzymen (die ähnlich wie
eine Schere funktionieren können) Teile der DNS isoliert und
ausgeschnitten werden können. Schon dieser Eingriff auf Lebewesen
ist mit sehr vielen Risiken verbunden.
Die Wissensentwicklung ging aber noch weiter, so dass es möglich
wurde, die aus einem Lebewesen ausgeschnittenen Teile in anderen
Lebewesen einzubauen.
Dies wurde durch zwei Methoden möglich, nämlich: 1) die sogenannte
DNS-Kanone: ein Schrotschussverfahren, wodurch Zellen mit
Metallpartikeln beschossen werden, damit ein ausgewähltes Gen im
Genom landet; 2) den Einsatz von Bodenbakterien, die einen Tumor in
der Zielpflanze verursachen und dadurch den artübergreifenden
Gentransfer erlauben.
Gentechnik und Pflanzenzüchtung
Es wird oft versucht, mit bekannten Erkenntnissen der Biologie und
der Genetik, Pflanzenzüchtung mit Gentechnik zu verwechseln. Das
Hauptargument lautet: Im Laufe der Geschichte habe sich das Erbgut
von Pflanzen auch ohne die Gentechnik verändert. Es ist nach der
darwinschen Naturauffassung möglich zu erklären, dass im Laufe der
Evolution Mutationen stattgefunden haben, die einen Gentransfer
zwischen den Arten verursachten.
Anders als bei der bisherigen Pflanzenzüchtung ist die Gentechnik
eine artüberwindende Gentransfertechnik. Es wird dabei ein Gen eines
Lebewesens in einer Pflanze (z.B. der Bakterie Bacillus
Thuringiensis, die ein Toxin gegen bestimmte Insekten
produziert) eingebaut, was sich in der Natur nicht kreuzt
(wenigstens nicht in den nächsten Tausend Jahren). Es handelt sich
in dem Sinne also um eine künstliche Beschleunigung oder
Verlangsamung der Evolution, ohne dass dabei die Grundlage für
Anpassung und Evolution überhaupt berücksichtigt wurde. Es wird so
getan, als ob die Reihenfolge der Gene im Laufe der Evolution
zufällig verlaufen wäre und als ob nur Vorteile einer gentechnischen
Veränderung zu erwarten wären.
Die Agrarkonzerne, die für die Entwicklung der bisher existierenden
gentechnisch veränderten Pflanzen arbeiten, vertreten zwei zentrale
Dogmen, nämlich, dass die Gentechnik zielgerichtet ist (also, dass
die Gene isolierbar und zielgerichtet zwischen den Lebewesen
übertragbar sind) und dass bei den neu eingebrachten Genen nur die
gewünschte Wirkung nachzuweisen ist. Diese Behauptungen sind jedoch
nicht wissenschaftlich belegt. Nach den bisherigen Methoden der
Gentechnik werden die neuen Gene zufällig eingebracht, so dass
sowohl der genaue Einbauort im
Genom des Empfängerorganismus als auch die
Häufigkeit des Einbaus
unbekannt sind.
Es ist deshalb falsch zu behaupten, dass die
Gentechnik gegenüber der normalen Pflanzenzüchtung den Vorteil
biete, Züchtungsziele gezielter
anzugehen. Die Molekulargenetik wird durch das Konzept der
Gentechnik als Pflanzenzuchtmethode vereinfacht und auf verwertbare
Einheiten reduziert. Dadurch wird die Tatsache vernachlässigt, dass
eine Pflanze nicht einfach aus einer Summe von Genen besteht, dass
die Genregulierung netzwerkartig funktioniert und dass eine Vielfalt
an Wechselwirkungen mit der Umwelt als Folge ihres historischen
Anpassungsvermögens stattfindet.
Agro-Gentechnik und Immunschwäche
Obwohl es die meisten Wissenschaftler, die im Auftrag von den
Chemiekonzernen forschen, weitgehend ignorieren, zeigt die Erfahrung
mit dem Anbau von Genflanzen, dass diese Pflanzen einen geringeren
Ertrag vorweisen und im Vergleich zu den herkömmlichen Pflanzen
einen höheren Pestizideinsatz erfordern. Wie ist diese Tatsache zu
erklären?
Die Annahme, dass ein Gen ausschließlich für eine bestimmte Funktion
zuständig ist, wurde 2001 widerlegt, als festgestellt wurde, dass
der Mensch nicht wie angenommen 100.000, sondern nur etwa 30.000
Gene hat, die für die Herstellung von circa einer Million Proteine
zuständig sind. Es wird jetzt von der neuen Auffassung ausgegangen,
dass mindestens 40% der menschlichen Gene mehrere und komplexere
Aufgaben übernehmen als bisher angenommen.
Inwieweit der gesamte Kontext, in dem ein lebender Organismus lebt,
Auswirkungen auf deren Entwicklung hat, macht die Forschungslage
jedoch viel schwieriger, denn es reicht nicht aus, wissenschaftliche
Erkenntnisse im Labor zu haben, wenn deren Übertragbarkeit nur
begrenzt möglich ist. Wir wissen also bereits, dass Gene niemals
isoliert wirken und, dass ihre Wirkung durch den genetischen
Hintergrund und die Umwelt bestimmt ist.
Trotzdem wird von Seiten der Gentechnik-Industrie versucht, die
Risiken von gentechnisch veränderten Produkten aus wirtschaftlichen
Hintergründen zu verdrängen. Bei der Risikoabschätzung wird von
einer sogenannten „substantiellen Äquivalenz“ zwischen gentechnisch
veränderten und herkömmlichen Organismen ausgegangen, wobei
lediglich das Erbgut untersucht wird, ohne auf die Wirkungen der
Gene in ihrem Gesamtkontext einzugehen. Selbst das Erbgut von Mensch
und Affe stimmt zu 99 Prozent überein, was deutlich macht, dass die
Erbgutanalyse allein wenig in Bezug auf die Zusammensetzung eines
Organismus erklärt. Was Soja betrifft, sind von 100.000 bis 200.000
Genen der Pflanze bisher nur 20 untersucht worden, also 0,01% bis
0,02% vom Genom dieser Pflanze.
Vor diesem Hintergrund ist klar, dass das Prinzip einer
„substantiellen Äquivalenz“ zwischen herkömmlicher und gentechnisch
veränderter Soja mehr von wirtschaftlichem Wunschdenken geprägt ist
als von wissenschaftlicher Ernsthaftigkeit.
Bei der Argumentation der Gentechnikbefürworter bleibt meistens die
wichtige Lehre von Darwin unberücksichtigt, dass die Evolution unter
bestimmten Umweltbedingungen stattgefunden hat, die zu einer
Anpassung und Selektion von Lebewesen führten. Es ist mit diesem
Hintergrundswissen durchaus wissenschaftlich möglich zu behaupten,
dass die Genstruktur eines Lebewesens nichts anderes bedeutet als
die Folge seiner Anpassungsfähigkeit an ökologische Bedingungen. Mit
der Pflanzenzüchtung wurde versucht, in diesen Anpassungsprozess von
Pflanzen einzugreifen, um die für die Landwirtschaft gewünschten
Eigenschaften durch Kreuzungen bewusst übertragen zu können.
Da die Wirkungsweise eines Gens von seiner genauen Position, vom
zellulären Umfeld und der Umwelt abhängt, ist es sehr
unwahrscheinlich, dass ein neu eingebautes Gen nur eine Wirkung
haben wird, weshalb unerwünschte Nebeneffekte, wie neue toxische
Stoffe oder eine grössere Anfälligkeit für Krankheiten nur
schwerlich auszuschließen sind. Auch wenn neue Methoden entwickelt
werden, um die bisher schwierige Kontrolle der Wirkungsweise eines
einzigen eingebauten Gens sicher zu stellen
–
wie zum Beispiel über den Weg, mehrere Genkonstrukte auf einmal in
eine Pflanze einzubauen –
werden die Nebenwirkungen nicht geringer. Im Gegenteil: Diese
Wahrscheinlichkeit steigt, je komplexer die neuen Stoffwechselwege
in der Pflanze werden.
Wie haben also mit einem sehr komplexen Phänomen zu tun. Es kann
sein, dass durch den gentechnischen Eingriff in die DNS einer
Pflanze, ihre Anpassungsfähigkeit an die Natur so beeinträchtigt
werden kann, dass ihr Immunsystem dadurch beschädigt wird. Diese
Hypothese ist nach Darwins Auffassung durchaus möglich. Wenn die
Reihenfolge an Genen in der DNS nicht zufällig, sondern das Resultat
der Anpassung und natürlicher Selektion Tausender oder sogar
Millionen von Jahren ist, können wir davon ausgehen, dass eine
künstliche Veränderung am Erbgut eines Lebewesens Auswirkungen auf
deren Anpassungsfähigkeit haben kann. Wir wissen bereits, dass in
der Natur schwächere Pflanzen eher von Schädlingen angegriffen
werden als andere. Es handelt sich dabei um den Mechanismus der
natürlichen Selektion. Was würde denn mit Pflanzen passieren, die
durch die Gentechnik künstlich so verändert würden, dass sie einer
beschleunigten Evolution unterworfen wären? Im besten Fall wären sie
für die Zukunft geeignet, wären aber unter heutigen Bedingungen
nicht anpassungsfähig. Welche Auswirkungen wären in dem Fall zu
erwarten? Sollte diese Hypothese also bestätigt werden, so können
wir davon ausgehen, dass sich die gentechnisch veränderten Pflanzen
in der Natur nicht durchsetzen werden, da sie im Vergleich zu den
anderen nicht anpassungsfähig sind.
Es müsste die Natur an die Pflanzen angepasst werden. Dieser
Auffassung waren die meisten Wissenschaftler der gescheiterten
„Grünen Revolution“ der Landwirtschaft vor Jahrzehnten als sie die
Modernisierung der Landwirtschaft mit der Industrialisierung
gleichsetzten. Die Argumente der Befürworter der Agro-Gentechnik
sind (nicht zufällig) die selben der Befürworter der „Grünen
Revolution“: Höhere Erträge, weniger Betriebskosten und
Hungerbekämpfung. Die Folgen dieser Entwicklung sind aber deutlich
zu sehen: Obwohl in den ersten Jahren eine Ertragsteigerung zu sehen
war, sank allmählich die Produktivität, es sind zunehmende
technische Probleme entstanden, der Pestizideinsatz und die
Betriebskosten sind gestiegen.
Obwohl gerade durch Technik versucht wird, den Einfluss biologischer
Prozesse in der Landwirtschaft zu reduzieren, finden sich weiterhin
Begrenzungen, auch bei hoch entwickelten Pflanzensorten. Zwänge der
Natur sind im Zusammenhang mit den biologischen Prozessen zu sehen.
Die Natur beeinflusst und bestimmt den Produktionsprozess in der
Landwirtschaft ganz erheblich (v.a. Jahreszeit, Temperatur,
Niederschlag, Feuchtigkeit, Photosynthese). Eine Beeinflussung
dieser Faktoren (durch Gewächshäuser, Bewässerung, Abdeckung mit
Folien, Wärmezuführung gegen Frostgefahren o.ä.) hat ökonomische und
technische Grenzen. Sie lohnt sich bei bestimmten Produkten und
Produktgruppen (Gemüse, gewisse Beeren, Zierpflanzen, Blumen usw.)
aber der Aufwand steigt bei flächenintensivem Anbau und wird
irgendwann unwirtschaftlich. Die landwirtschaftliche Technik muss
sich also grundsätzlich an die Umwelt anpassen und nicht umgekehrt,
wie es bei der Industrie der Fall ist, wo die Umwelt an die
Produktion angepasst wird und Bedingungen geschaffen werden, um den
Produktionsprozess von der Natur zu trennen.
Die Agro-Gentechnik scheitert eigentlich weil ihre Logik nicht die
Mechanismen der Natur berücksichtigt und weil ihre Vorgehensweise
widersinnig ist: bevor die technischen Probleme verstanden werden,
werden bereits Lösungen entwickelt. Es wird z. B. viel zu wenig
geforscht, um zu verstehen, warum ein
Maiszünsler zum
Schädling wurde oder warum mehr Pflanzen zu Unkräutern werden. Die
vorhandenen Lösungen heissen meistens: töten, vergiften, ausrotten,
so als ob die Natur nicht darauf reagieren würde. Heute können wir
bereits feststellen, dass anpassungsfähigere Pflanzensorten gezielt
nicht mehr vermehrt werden, weil die Agrarkonzerne kein Interesse
daran haben, sie auf dem Markt anzubieten. Durch die Zunahme der
Monokulturen und der Monopolisierung von Saatgut gehen gleichzeitig
Wissen und biologische Vielfalt verloren. Wie sollen dann in der
Zukunft die zunehmenden technischen Probleme gelöst werden, wenn
heute die Grundlage für die Forschung zerstört wird? Mit der
Agro-Gentechnik wird diese Situation noch verschlimmert, denn es
finden künstliche Veränderungen an der Reproduktionsstruktur von
Pflanzen statt, wodurch die schlechteren Pflanzen sich gegen die
Kräfte der Natur durchsetzen sollen.
Dies ist die bisherige Erfahrung der Agro-Gentechnik, die von der
Chemieindustrie propagiert wird, denn eine Koexistenz zwischen
gentechnisch veränderten und herkömmlichen Pflanzen ist aus
natürlichen Gründen nicht möglich. Insbesondere bei Mais ist die
Verunreinigung in jedem Gebiet dieser Erde, wo dieser Bt-Mais
angebaut wurde, nachzuweisen. Dies zu widerlegen, mag in vielen
Ländern politisch motiviert zu ein, ist aber von den Fakten zu weit
entfernt. Wäre es denn so, dass es nicht zu Verunreinigungen kommen
würde, weil Maispollen schwer seien, eine Auskreuzung von derselben
Blütezeit abhänge und es keine Wahrscheinlichkeit gäbe, dass Gene
sich auf anderen Pflanzen übertragen, so wäre auch die vorgeführten
Theorie der Evolution und damit Darwins Auffassung der Natur
widerlegt. Eine Koexistenz gibt es also nicht, und wenn dies die
Fakten sind, so nutzt es auch wenig, Gesetze zu haben, die
vorschreiben, wie es gehen sollte. Folglich kann die
Wahlfreiheit von Bauern und Verbrauchern durch die Einführung von
Genpflanzen nicht gewährleistet werden, denn beide werden zunehmend
gezwungen, von der Gentechnik Gebrauch zu machen.
Darin liegt wohl eine noch viel ernster zu nehmende Verantwortung
der Politik: Solange nämlich nicht ausreichend wissenschaftliche
Studien über die Beeinträchtigung der Gesundheit und Umwelt
vorliegen (u. a. weil die Chemiekonzerne kein Interesse daran
haben), kann nicht behauptet werden, dass der Anbau von Genpflanzen
nicht mehr Risiko birgt als der konventionelle Anbau. Auch dies ist
wieder gewollt, leider aber realitätsfern, denn es gibt inzwischen
viele Studien, die auf die Gefahren und Risiken von Giftpflanzen wie
Bt-Mais (bei dem in jeder Zelle ein Toxin produziert wird)
hinweisen. Nach der bisherigen Erfahrung ist die wichtigste
Entscheidung solchen Mais anzubauen damit verbunden, dass die
Bekämpfung bestimmter Schädlinge in den ersten Jahren erleichtert
und verbilligt wird. In wenigen Jahren entwickeln sich aber
resistente Schädlinge (weil nur mehr ein Wirkstoff und in riesigen
Mengen eingesetzt wird), so dass der einzige Vorteil, nämlich die
wirksamere Insektenbekämpfung verloren geht.
Die weltweite Erfahrung mit gentechnisch veränderten Pflanzen
belegt, dass die Agro-Gentechnik langfristig unwirksam (aufgrund der
zunehmenden Resistenzen von Schädlingen und Unkräutern), teuer
(aufgrund des zunehmenden Pestizideinsatzes), ungewünscht von der
Mehrheit der Verbraucher und mit vielen Risiken verbunden ist. Dass
Politiker diese Tatsachen nicht ernst nehmen, sollte uns alle zum
Nachdenken bringen, denn die Mehrheit der Bevölkerung wünscht sich,
von der Gentechnik Abstand zu nehmen. Dies wird auch von
unabhängigen Wissenschaftlern empfohlen,
Darwin erarbeitet die Grundlage für die Erklärung vieler der
Probleme der Gentechnik, die heute vorhanden sind. Es ist klar, dass
viel mehr Forschung in dem Bereich vonnöten ist. Aber nicht
irgendeine Forschung: es ist dringend und notwendig, dass mehr in
kritische, unabhängige, nachhaltige und gesellschaftlich nützliche
Forschung investiert wird. Ansonsten werden die Menschen sich darauf
verlassen müssen, an die Wissenschaftler zu glauben. Und genau
dagegen hatte auch Darwin zu kämpfen: Es geht darum zu verstehen,
wie die Natur funktioniert und nicht um eine Glaubensfrage. Die
Evolutionstheorie bietet weiter die beste Erklärung für die
biologischen Phänomenen. Daran sollten Naturwissenschaftler
anknüpfen bevor sie aus der Technik eine Religion machen und als
Gläubiger von sogenannten Zukunftstechnologien die Realität
ignorieren.
ANDRIOLI, Antônio I. & FUCHS, Richard (Hrsg.)
Agro-Gentechnik: Die Saat des Bösen. Die schleichende
Vergiftung von Böden und Nahrung. Lahnstein: emu-Verlag,
2007, S. 239.
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