|

ANDRIOLI,
Antônio Inácio & FUCHS, Richard (Hrsg.). Agro-Gentechnik:
Die Saat des Bösen. Die schleichende Vergiftung von Böden und
Nahrung.
Lahnstein: emu-Verlag, 2006, 256 Seiten.
>>>
informações e pedidos >>>
________________________________________
«Die
Saat des Bösen»
Die
schleichende Vergiftung von Böden und Nahrung[1]
«Soll
die Gentechnik traditionelle Pflanzen und Nahrungsmittel auf Acker
und Teller verdrängen? Um diese Frage ist in Europa eine heisse
Diskussion entbrannt. Der Koalitionsvertrag der Bundesregierung (Deutschland)
verspricht nämlich die Förderung von Gentechnik im Interesse der
Chemieindustrie. Die Verbraucher hingegen lehnen das Essen aus dem
Labor ab. Auch Landwirte wehren sich verzweifelt.»[3]
Auf
dem Umschlag ist weiter zu lesen, dass sich transgene Pflanzen in
den USA, Kanada und Argentinien unkontrolliert verbreiten und dem
Saatgutriesen Monsanto jedes Mittel recht ist, um seine
Monopolstellung auf dem Saatgutmarkt zu festigen.
Wer
sich weiter in das Buch vertieft, muss sich mit der harten Realität
eines Marktfeldzuges der Chemiegiganten gegen Kleinbauernfamilien
und die traditionellen landwirtschaftlichen Produktionsmethoden
auseinandersetzen. Das Buch von Antonio Inacio Andrioli und Richard
Fuchs (Hrsg.) ist aufrüttelnd, erschreckend und schwer verdaulich.
Der Leser wird mit einem skrupellosen Wirtschaftsgebaren
konfrontiert, das nur ein Ziel verfolgt: durch die weltweite
Verbreitung von gentechnologisch verändertem Saatgut die Welternährung
zu beherrschen.
Auf
einem Gentechnikkongress im Jahre 1999 wurde den Teilnehmern das
Unternehmensziel von Monsanto vorgestellt. «Binnen 15 bis 20 Jahren
solle sämtliches Saatgut auf der Welt gentechnisch verändert und
damit patentiert sein. Die entscheidende Strategie, die der Konzern
verfolgen solle, so die Empfehlung der Arthur Anderson Consulting
Group, sei die Einflussnahme auf die US-Regierung. Deren Rolle solle
es sein, genmanipulierte Produkte auf die Märkte der Welt zu
bringen, bevor sich Widerstand regt. Die Industrie hofft darauf,
dass der Markt im Lauf der Zeit so überschwemmt wird, dass man
nichts mehr dagegen tun kann.» (ANDRIOLI/ FUCHS, 2006: 31).
Ohne
Rücksicht auf Tradition, Tierwohl, Umweltschutz und
Lebensbedingungen der ländlichen Bevölkerung – vor allem in den
Entwicklungsländern und den sogenannten Schwellenländern Brasilien
und Argentinien, verfolgt das Agro-Business seine Expansionspläne.
Die ländliche Kleinbauernwirtschaft blockieren die Ambitionen der
transnationalen Chemiekonzerne, die gesamte Nahrungsmittelproduktion
– vom Samen bis zum Supermarkt – zu beherrschen. Die
Kleinbauernwirtschaft muss daher der durch die Agro-Chemie
beherrschten industriellen Landwirtschaft weichen. Um diesen Verdrängungswettbewerb
zu gewinnen, werden massive Menschenrechtsverletzungen (zum Beispiel
in Paraguay) in Kauf genommen, Bauern durch Verträge,
patentrechtliche Verfahren und nicht gerechtfertigte
Schadenersatzforderungen in den Ruin getrieben. «Knebelverträge»
bringen den Bauern die Fremdbestimmung durch Konzerne.
Der
beim Kauf von patentiertem Saatgut abgeschlossene
Monsanto-Saatgut-Vertrag «gibt Monsanto das Recht, Kontrollen auf
dem Privatland der Bauern durchzuführen, verpflichtet Bauern zu
enormer finanzieller Haftung und schreibt vor, welche Rechte einem
Bauer in bezug auf die Aussaat, die Ernte und den Verkauf
gentechnischen Saatguts zustehen und vor allem welche nicht» (Ebenda:
87). Schwerwiegend ist dabei auch, das eines der ältesten Rechte
der Bauern ausgehebelt wird, Saatgut der eigenen Ernte aufzubewahren
und wieder auszusäen.
Im
Buch wird von seltsamen Ermittlungsmethoden von Monsanto berichtet,
um Verstösse gegen das Patentrecht zu ahnden. Einschüchternde
Drohbriefe folgen, und aussergerichtliche Vergleichszahlungen werden
erzwungen.
Bauern
und Konsumenten verlieren
«Beherrsche
die Nahrung und du beherrschst die Menschen.» (Henry Kissinger)
Die
Gen-Tech-Initiative ist eine Kampfansage an die Selbstbestimmung der
Völker und Menschen. Sollte die Agro-Chemie triumphieren, werden
wir nicht mehr entscheiden können, wie wir uns ernähren. Mittels
internationaler Verträge werden die Völker um ihr Recht betrogen,
die Selbstversorgung mit gesunden Nahrungsmitteln sicherzustellen. Längst
wurde die WTO zur Förderung genmanipulierter Nahrungsmittel
eingespannt. Das TRIPS-Abkommen (zwingender Bestandteil des
WTO-Vertrages) bietet unter anderem eine Voraussetzung zur Übernahme
der Weltnahrungsproduktion durch gentechnisch veränderte Organismen.
(Ebenda: 174) Ergebnis dieser Globalisierungsinitiative wird die
Monopolisierung des Agrarmarkes, die kapitalistische Durchdringung
der Familienlandwirtschaft und der zunehmende Ausschluss der
Kleinbauern sein.
Wie
die Erfahrungen in den USA und in Kanada zeigen, ist der ökologische
Landbau wegen der Kontaminierung durch Gen-Technik zum Erliegen
gekommen. Die für die europäische Landwirtschaft so wichtige
Positionierung «gesunde und umweltgerechte Produktion» würde
durch ein weiteres Vordringen der Agro-Chemie zur Farce.
Europa,
Deutschland und die Schweiz haben noch die Wahlfreiheit
Die
globale Offensive zur Verbreitung von GVO ist lanciert.
1971
gründeten die Fordstiftung, Weltbank und Rockefellerstiftung die
Consultative Group on International Agricultural Research (CGIAR)
Beratergruppe für internationale landwirtschaftliche Forschung mit
16 Forschungszentren weltweit. Ausgerüstet mir einem Jahresetat von
350 Millionen Dollar, konzentrierte sich die CGIAR in den letzten
Jahren auf den Transfer von genetisch veränderten Pflanzen in die
Entwicklungsländer.
Dies,
obwohl keine der ursprünglichen Versprechungen der Agro-Gentechnik
gehalten werden konnte. Weder Ertragsteigerungen noch geringere
Produktionskosten (Senkung des Einsatzes von Unkrautbekämpfungsmittel)
konnten festgestellt werden. Es kam und kommt jedoch zu «Ernteeinbussen
und vor allem zu der von Monsanto beabsichtigten Steigerung des
Pestizidverbrauches […]. Eine Koexistenz zwischen Anbau mit und
ohne Gentechnik hat sich als Illusion erwiesen.» (Ebenda: 25)
In
verschiedenen Beiträgen wird auch auf die unhaltbaren Expertisen
hingewiesen, die vorgeben, dass genveränderte Organismen keine
Gefahr für Mensch, Tier und Umwelt darstellten. Erfahrungen zeigen
jedoch ein ganz anderes Bild, wie die im Buch aufgeführten
Beispiele zeigen. Gentechnologisch bedingte Eingriffe in die Natur
gefährden Mensch Tier und Natur. Wir Konsumenten und Produzenten müssen
uns daher zusammenschliessen, um die unheilige Allianz von
Lobbyisten der Saatgut-Chemiekonzerne, interessengeleiteten
Wissenschaftern, der EU-Kommission und der deutschen Bundesregierung
zu durchbrechen. Der zunehmenden Verbreitung von genveränderten
Produkten können wir Einhalt gebieten, indem Druck auf Regierungen
und Volksvertreter ausgeübt wird.
Brüssel
und Chemiekonzerne setzen seit langem auf eine grossindustriell
bewirtschaftete Landwirtschaft. In diesem Licht ist auch die
innovationsfreundliche Haltung der Bundeskanzlerin Merkel zu werten,
die versprochen hat, das Gentechnikgesetz umfassend zu überarbeiten.
Vielleicht ist sie «ermuntert» worden, für Monsanto neue Märkte
in Europa zu erschliessen.
Soweit
wird es nicht kommen, sofern sich der Widerstand aus der Bevölkerung
weiter festigt.
Umwelt-
und Verbraucherorganisationen haben Erfolge auszuweisen. Wichtig ist,
dass es gelingt, die «gekauften» Expertisen durch wissenschaftlich
seriöse Abklärungen zu ersetzen und die geradezu fahrlässigen
Zulassungsmethoden der zuständigen Behörden zu stoppen. Auch müsste
die Haftungsfrage bei Verunreinigungen klar geregelt werden, und
zwar so, dass die Chemieproduzenten die volle Verantwortung übernehmen
müssen. Es gibt somit eine Reihe von Möglichkeiten, die Grundlagen
für eine gesunde und selbstbestimmte Ernährung zu erhalten. In der
Schweiz gilt es, das nationale Forschungsprogramm 59, «Nutzen und
Risiken der Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen» sehr
genau zu verfolgen.
Das
Buch «Die Saat des Bösen» ist Pflichtlektüre für alle, die fit
sein wollen, um die drohende Invasion der Gentechnologie mit
Argumenten aufzuhalten.
por
REINHARD
KORADI
|